Review: Zelda: Twilight Princess
Januar 1st, 2007 by Heffer

So, einen Tag ist es nun her, dass ich das neueste Zelda beendet habe. Der Gesamteindruck, den Twilight Princess hinterlässt, ist etwas zwiespältig. Es ist ohne Frage ein gutes Spiel. Ein sehr gutes sogar. Und wenn es Shadow of the Colossus (das übrigens auch nicht frei von Fehlern ist) nicht gäbe, wäre es für mich das beste des Jahres. Das liegt vor allem an den einfallsreichen, durch und durch motivierenden Dungeons, aber auch an den tollen Passagen außerhalb der Kerker, seien es die Reiterschlachten, das Sumo Ringen oder die grandiose Westernhommage im letzten Drittel des Spiels. Wer der Story von Twilight Princess folgt, erlebt lauter großartige Momente. Und wer abseits der Story die Spielwelt erkunden möchte, wird dank toll gestalteter Schauplätze und vieler Geheimnisse ebenfalls optimal bedient. Twilight Princess ist für Hektiker wie für Forscher gleichermaßen geeignet.
Vor allem aber ist es - dem technischen Stillstand zum Trotz - ein unheimlich cineastisches Spiel. Keines, das einen mit endlosen Zwischensequenzen quält, sondern eines mit massenweise filmreifen Passagen zum selber spielen. Gerade die Bossfights kicken inszenatorisch alles weg, was man bisher in einem Zelda gesehen hat. Ein extra Lob verdient auch die Tatsache, dass Twilight Princess trotz all dem Bombast, den es in diesen Kämpfen bietet, nie zu unübersichtlich wird (wie zum Beispiel Devil May Cry es oft war): Der Spagat zwischen Spiel und Film gelingt jedes Mal perfekt.
Und es ist abwechslungsreich. Ohne Ende. Denn obwohl wir hier das wohl umfangreichste Zelda aller Zeiten vorliegen haben, ist es wohl auch das mit der höchsten Ideendichte. Es gibt nicht eine Minute in Twilight Princess die wirklich langweilig ist, das Spiel hält von Anfang bis Ende ein extrem hohes Tempo. Und da sind wir auch schon beim größten Problem des Spiels: Es ist ZU abwechslungsreich. Es ist ZU vielseitig.
Anders gesagt: Es ist überfrachtet. Und zwar völlig.
Es ist sogar so überfrachtet, dass es sich für sein innovativstes Spielelement überhaupt keine Zeit nehmen kann: Dass man als Wolf die Menschen verschreckt, aber im Gegenzug mit den Tieren reden kann, wird vom Spiel so wenig genutzt, dass man dieses Feature eigentlich ganz aus dem Spiel hätte raus lassen können. Und das ist mehr als schade, denn rein vom Konzept her haben wir hier das wohl interessanteste Parallelwelten-System aller Zeiten vorliegen. Auch weitere Neuerungen wie die Reiterschlachten, die es _so_ in OoT nicht gegeben hat, oder der Gleiter, der Zelda stellenweise zu einem zweiten Prince of Persia werden lässt, kommen hier einfach zu kurz. Aus Twilight Princess zwei Spiele zu machen wäre nicht nur möglich, sondern auch deutlich vorteilhafter gewesen, denn in der vorliegenden Form verschenkt es trotz aller vorhandenen Qualität noch immer zu viel Potential.
Und wir machen gleich weiter mit der Kritik: So wenig sich Twilight Princess das Wolf-Feature und die neuen Gegenstände zum Vorteil macht, so sehr macht es sie sich zum Nachteil. Man hat am Ende einen Sack voller Gegenstände, die man dann auch alle brav benutzen darf, was für ständige Wechsel ins Menü sorgt. Zusammen mit der Tatsache, dass man sich immer wieder in den Wolf verwandeln muss, um irgendein Loch im Boden aufzuspüren oder sonst etwas zu tun, ergibt das ein, gelinde gesagt, nicht immer ganz flüssiges Gameplay. Einer der cleversten Gegenstände im Spiel ist der zweite Greifarm, da er für keinen zusätzlichen Wechsel ins Menü sorgt, aber den Entwicklern trotzdem die Möglichkeit für neue Rätsel eröffnet - von solchen Gadgets hätte ich mir mehr gewünscht.
Die ganze Überfrachtung macht sich leider auch in den Kämpfen negativ bemerkbar, bei denen man aufgrund von zig Moves und Waffen sowie der Möglichkeit sich jederzeit in einen Wolf zu verwandeln (was neben einigen Nachteilen nämlich auch Vorteile bringt) völlig “overpowered” ist. Lediglich die Bosse, denen man nur auf eine einzige Weise Schaden zufügen kann, stellen hier noch eine Herausforderung dar (sie sind zwar ebenfalls zu einfach, aber das ist ausnahmsweise mal nicht der Überfrachtung anzulasten).
Vieles von dieser Überfrachtung lässt sich darauf zurückführen, dass die Entwickler mit Twilight Princess einerseits neue Wege gehen, aber andererseits die alten Pfade nicht verlassen wollten. Das meiste (oder streng genommen: vieles) aus den vorherigen Zelda-Teilen gibt es hier auch - und dazu eben noch mehr. Meiner Meinung nach hätte man einfach das Risiko eingehen sollen, ein paar der alten Spielbestandteile über Bord zu werfen und sich stattdessen auf die neuen zu konzentrieren. Das gilt auch für die Story, die sehr gut ohne Ganondorf und Zelda ausgekommen wäre. Die Alibiauftritte der Beiden machen mehr als deutlich, dass ersterer eigentlich nur dabei ist, weil er bisher in jedem Teil der Serie dabei war und Letztere, weil halt ihr Name auf der Verpackung des Spiels steht.
Aber das klingt nun alles negativer als es eigentlich ist. Denn Twilight Princess macht Spaß. Und mehr sollte ein Spiel ja eigentlich gar nicht tun.
Mein Wort zum Sonntag. Äh Montag. Und zum neuen Jahr. Ich hoffe, ihr hattet alle einen guten Rutsch.
8/10
Alles, was da steht, kann man problemlos unterschreiben. Und obwohl es recht viele Dungeons gibt, hätten es doch noch ein paar mehr sein dürfen :)
Frohes Neues!
“ein unheimlich cineastisches Spiel”
Bis dahin gelesen, und Spiel abgehakt…
Dann verpasst Du aber eines der besten Spiele des letzten Jahres.
@Aulbath: Du hättest den Absatz noch zu Ende lesen sollen ;) Der ganze Präsentationsoverkill geht NICHT zur Lasten der Spielbarkeit und von Filmsequenz-Orgien ala MGS2 bleibst du auch verschont. Du musst das cineastische am Spiel nicht mögen, aber es ist definitiv kein Hindernis!
Wenn du mit OOT/Wind Waker schon nicht so viel anfangen konntest, wird dir auch TP nicht zusagen. Die 3D-Zeldas sind sich nämlich alle schon sehr ähnlich, sowohl was die Spielbarkeit als auch das Szenario angeht. Wenn dir bei den bisherigen Zelda-Teilen die Friede-Freude-Eierkuchen-Spielwelt mitsamt der ganzen schwarz/weiß-Malerei in der Charakterisierung nicht zugesagt hat, wird dir also auch TP nicht gefallen. Aber falls du OOT/Wind Waker gut fandest, kannst du mit TP eigentlich nichts falsch machen.
Ich hoffe, dass ich dich mit diesem Review nicht in die Irre geführt habe!?
Äh… ich finde die das “cineastisch” im Bezug auf Zelda sogar etwas arg… irritierend. Cineastisch sind einzig und allein die Bosskämpfe, ansonsten gibts doch so gut wie keine Filmchen oder übertriebenen Bombast. Mehr oldschool kann ein AA doch heutzutage gar nicht mehr sein.
@Heffer: Wind Waker mochte ich einzig und allein wegen der Optik und der Inselatmosphäre, und das einzige was mir an Ocarina of Time zugesagt hat war Ganon’s ultimative Form am Ende (und die auch nur vom Design her).
Wenn ich irgendwann mal ne’ Wii habe (so far einzig und allein wegen Wario Ware: Smooth Moves) hole ich mir auch mal günstig die Zwielicht-Prinzessin. Aber wenn ich lese Zeld:OOT 2006, dann weiß ich… ich brauche dieses Spiel nicht.
Kleine Kritik am Review: Ganondorf bzw. Ganon ist keineswegs in jedem Teil der Serie dabei gewesen. Genaugenommen waren es gerade mal 6 Mal in den 12 Spielen, wenn man Oracle of Ages und Seasons als ein Spiel rechnet, genauso wie Oot und Master Quest, und die furchtbaren Philips CDI Spiele außen vor lässt. Obwohl von Anfang an anzusehen war, dass er Endkampf gegen Ganondorf ausgetragen wird, schließlich ist er der bekannteste der Obermotze.
Zu Zelda ist zu sagen, was wäre schon ein Spiel wert, wenn die Person, die im Titel steht, nicht im Spiel selbst auftauchen würde? Oder kann sich jemand ein Diablo 3, sollte es denn erscheinen, ohne Diablo vorstellen?
Dennoch, ein gutes Fazit, ich fand die Endbosskämpfe ebenfalls viel zu leicht, bzw. zu kurz, selbst ein 12-jähriger sollte damit keine allzugroßen Probleme haben. Wenn ich dahingegen an meine Zeit mit A Link to the Past denke…
Von den Items hätte ich auch gerne mehr gesehen, insbesondere vom Gleiter, meinem neuen Favoriten. Ich wünsche mir einen Editor, mit dem ich meine eigenen Bahnen erstellen kann.
[quote comment="3356"]Äh… ich finde die das “cineastisch” im Bezug auf Zelda sogar etwas arg… irritierend. Cineastisch sind einzig und allein die Bosskämpfe, ansonsten gibts doch so gut wie keine Filmchen oder übertriebenen Bombast. Mehr oldschool kann ein AA doch heutzutage gar nicht mehr sein.[/quote]
Sehe ich völlig anders. Schon die Reiterschlachten sind sehr imposant inszeniert und haben nun wirklich gar nix mehr mit OOT zu tun; die 1:1 Duelle auf den Brücken sind sogar eine ziemlich eindeutige (und verdammt gute) Homage an “Herr der Ringe”. Auch der besagte Westernabschnitt ist Film-entlehnt, und mit dem Zahnrad und nicht gerade niedrigem Tempo einem Haufen Sägeblättern auszuweichen, ist zumindest ein ziemliches Eye Candy. Wenn du dann noch die Bosskämpfe dazu nimmst, hast du schon jede Menge cineastische Passagen in Twilight Princess.
Ähnlichkeiten zu OOT hat das Spiel viele, aber die Inszenierung der spielbaren (!) Abschnitte ist in TP auf einem ganz anderen Level.
[quote comment="3361"]Kleine Kritik am Review: Ganondorf bzw. Ganon ist keineswegs in jedem Teil der Serie dabei gewesen. Genaugenommen waren es gerade mal 6 Mal in den 12 Spielen, wenn man Oracle of Ages und Seasons als ein Spiel rechnet, genauso wie Oot und Master Quest, und die furchtbaren Philips CDI Spiele außen vor lässt. Obwohl von Anfang an anzusehen war, dass er Endkampf gegen Ganondorf ausgetragen wird, schließlich ist er der bekannteste der Obermotze.[/quote]
Mea culpa, ich bin schlecht informiert. Trotzdem bleibe ich bei der Aussage, dass Ganondorf nur dabei ist, weil er halt in… vielen Zeldas dabei war :)
[quote comment="3361"]Zu Zelda ist zu sagen, was wäre schon ein Spiel wert, wenn die Person, die im Titel steht, nicht im Spiel selbst auftauchen würde? Oder kann sich jemand ein Diablo 3, sollte es denn erscheinen, ohne Diablo vorstellen?[/quote]
Sorry, aber ich finde das einfach albern. Von mir aus kann es Diablo ohne Diablo, Zelda ohne Zelda und Halo ohne Halo geben. Die Verwandtschaft zu den Vorgängern muss an Gameplay/Stil zu erkennen sein und nicht an Namen.
Dennoch halte ich die Wahl für richtig, da es mit Ganon(dorf) begonnen hat und auch mit ihm enden sollte, da TP laut Shigeru Miyamoto “das letzte in der bekannten Art sein wird”.
Dass das ein generelles Ende für die Zeldareihe bedeutet, kann ich mir nicht vorstellen, aber Genaueres ist noch nicht bekannt.
[quote comment="3363"]Die Verwandtschaft zu den Vorgängern muss an Gameplay/Stil zu erkennen sein und nicht an Namen.[/quote]
Mir wäre es eigentlich auch egal gewesen, aber das darf man dem Spiel keineswegs als Minuspunkt anrechnen. Eine gewisse Kontinuität ist in so ziemlich jedem Spiel aus dem Hause Nintendo zu finden, weshalb sollte Zelda da eine Ausnahme sein? Den ein oder anderen stört es vielleicht, dass sich Monotonie einstellt, mir ging auch “Wusst ich’s doch. War doch klar.” durch den Kopf, als Ganondorf erstmals im Spiel erwähnt wurde, aber auf der anderen Seite ist es trotzdem schön, bekannte Charaktere wieder zu treffen. Wobei Kakariko doch ein bisschen aufgesetzt gewirkt hat. Ich persönlich spiele Zelda seit ich generell angefangen habe mit Videospielen, d.h. seit A Link to the Past und mir gefällt es, wenn ich mich an alte Zeiten zurückerinnern kann. OMG das klingt als sei ich schon uralt, dabei bin ich erst 18^^.
was schreibt ihr da alle für einen aufgeblasenen scheiß ,
auf gut deutsch gesagt .
The legend of zelda :twilight princess ist ,wie fast alle anderen zelda spiele ein einschlagender erfolg :……zu mindest bei mir .
ich finde das man dazu ruhig mAL sagen kann ,was man dazu meint ,
und es war doch eigendlich garnicht von anfang an klar ,das es mit ganon aufhört…..und die neu dazugekommenen charakteure sind spitze .
Besonders Zanto …..
[quote comment="4018"]was schreibt ihr da alle für einen aufgeblasenen scheiß ,
auf gut deutsch gesagt .
The legend of zelda :twilight princess ist ,wie fast alle anderen zelda spiele ein einschlagender erfolg :……zu mindest bei mir .[/quote]
Was aber nicht bedeutet, dass man das Spiel nicht kritisieren darf. Ich halte Twilight Princess für eines der besten Zeldaspiele, an die Genialität von Ocarina of Time kommt es eben nicht ganz heran, obwohl es extrem gut ist. Es hat aber auch Mängel, das hat jedes Spiel. Wenn ein Spiel perfekt wäre, wären die vielen Spieletests überflüssig, da nicht viel zu erzählen gäbe.
[quote comment="4018"]
ich finde das man dazu ruhig mAL sagen kann ,was man dazu meint ,[/quote]
Das wird doch schon die ganze Zeit gemacht o.O
[quote comment="4018"]und es war doch eigendlich garnicht von anfang an klar ,das es mit ganon aufhört…..und die neu dazugekommenen charakteure sind spitze .Besonders Zanto …..[/quote]
Ich persönlich hatte es nicht anders erwartet, vor allem, da TP als “das letzte richtige Zelda” angekündigt wurde, da liegt es nahe, den Hauptbösewicht in jedem Fall wieder einzubringen. Es ist ja auch nichts negatives, wenn altbekannte Charaktere in Spielefortsetzungen wiederkommen. Und speziell bei Nintendo ist das eine oftverwendete Sache. Man sollte das Spiel allerdings auch nicht durch die rosarote Brille betrachen und auch Kritik ausüben, wenn einem ein bestimmter Spielaspekt nicht zugesagt hat. Nur durch Kritik aus der Spielergemeinde kann ein Spiel verbessert werden.
[...] erschien mir seltsam schlicht und einfach strukturiert, nachdem ich die Wochen davor eigentlich nur Twilight Princess gespielt habe. Nichtsdestotrotz ist das Spiel spaßig und die Touchscreensteuerung wirkt [...]
[...] allein dafür muss ich an dieser Stelle mal meinen Respekt loswerden. Und das, obwohl ich sowohl zu Twilight Princess, als auch zu Phantom Hourglass ein eher gespaltenes Verhältnis habe. Trotzdem: Ein neues Zelda! [...]