Archive for the 'Meinungsmache' Category

Idiocracy: World of Warcraft ist schuld am Tod von zwei Kindern

April 21st, 2009 by Schaedel

Die Welt in der die Bild-Zeitung und ihre Schreibknechte existiert, ist ganz offensichtlich ein schlichtes, einfach gestricktes und nur in schwarz/weiß verfügbares Addon zur echten Welt.

Anders kann ich mir einfach nicht erklären, dass aus einer tragischen Geschichte über eine junge Frau, die ihre Kinder kurz nach der Geburt umgebracht hat, ein wilder Ritt durch scheinbar sinnlos aneinander gereihte Wörter wird, an dessen Ende der durchschnittliche Bild Konsument nur “Ja scheiß die Wand an, was musses denn auch sonen süchtigmachendes Internet Zeug mit Krieg geben. Wann verbieten die Politiker das denn endlich?! Erhöhen eh dauernd ihre Diäten, da könnense doch auch mal was gescheites machen und die armen Kinder retten!” denken wird.

Klar, ich bin nicht so naiv und denke, dass die Bild irgendetwas in einem größeren Kontext betrachtet und sich Gedanken darüber macht, wie man über ein Verbrechen berichten könnte, das den Horizont von “normal” im Leben stehenden Menschen um ein vielfaches übersteigt. Es ist nach wie vor die Bild. Papierverschwendung, um mit Blut, Titten und Hass Geld zu verdienen.

Aber trotzdem muss man manchmal einfach inne halten, seine vom Informationsoverkill verstopften Rezeptoren weit öffnen und sich dem überwältigenden Wahnsinn eines derartigen Verbrechens aussetzen. Eine Frau, etwa so alt wie wohl der durchschnittliche Kantenflimmern Leser, hat ihre zwei Kinder mit ihren eigenen Händen getötet. Irgendetwas in ihr war stärker als der Mutterinstinkt. Irgendetwas in ihr hat abgewogen und danach entschieden, dass es sich besser mit der Schuld am Tod von zwei Babys leben lässt als mit ihnen. Irgendetwas hat eine Frau soweit kommen lassen, jegliche Logik zu vergessen und etwas zu tun, das mir noch nicht mal in wirklich üblen Albträumen untergekommen ist. Was einen Menschen dazu bringt, etwas derartiges zu tun, kann ganz einfach nicht mit einem einzigen Grund erklärt werden. Millionen kleine Teilchen kommen da zusammen, Erlebnisse, Erfahrungen, Beziehungen, Ängste, Druck - alles zusammen führte im Endeffekt dazu, dass eine Frau ihre Kinder ermordet hat. Nicht ein Videospiel. Und nein, auch keines das erwiesenermaßen gehöriges Suchtpotential aufweist.

Fucking Shit, was für ein gefühlsbehindertes Pack muss man sein, um aus etwas derart krassem eine “Die Alte hat halt dauern World of Warcraft gezockt und dann ihre Pille vergessen und weil sie halt weiterzocken wollte hat sie halt ihre Kinder tot gemacht” Story zu basteln? Ich muss sagen, dass es mir immer wieder aufs neue die Kinnlade runterrasseln lässt, wenn ich sehe, dass Gossenblätter ala Bild wie beschissene Elefanten durch den Porzellanladen trampeln. Nur dass der Porzellanladen das Leben ist. Und dass man Porzellan leichter wieder kitten kann.
Aber wenn ein 17 Jähriger Farcry aufm Rechner hat, dann schreien alle Elefanten auf und zeigen mit dem Finger drauf und machen mords Schlagzeilen daraus, damit sich das Rad der dümmsten Meldungen weiterdreht und so noch mehr Anzeigenplätze für das “Volksauto”, Versicherungen und Wichsnummern verkaufen lassen.

Ach so, natürlich kann man sich World of Warcraft im Bild Onlineshop kaufen. Wär ja noch schöner, wenn die da nicht mit nem Spiel, das vermeintlich Schuld am Tod zweier kleiner Kinder hat, ein paar Euro extra machen würden.

Sehr geehrter Herr Joachim Herrmann,

April 2nd, 2009 by Schaedel


ich habe gerade Ihre Pressemitteilung vom 31.03.2009 gelesen und muss Ihnen gestehen, dass es mir schwer fällt, meine Wut im Zaum zu halten. Falls Sie nun annehmen, dass das daran liegt, dass ich in meinem Leben bereits viele Videospiele konsumiert habe und mich deswegen nicht richtig im Griff, dann muss ich Sie enttäuschen.
Vielmehr rührt meine Wut über Sie und Ihre Worte daher, dass ich selten etwas so bigottes und dummes gelesen habe. Und glauben Sie mir, ich kaufe beinahe täglich etwas beim Bäcker und kenne daher ebenso fast täglich die Bild Schlagzeile, ich weiß also durchaus, was die Worte bigott und dumm bedeuten.

Ich kenne Sie nicht persönlich, kann also auch nicht sagen, ob sie dumm sind und daher diese gottverdammte Bigotterie, die praktisch aus jedem Wort Ihrer Pressemitteilung tropft, eine Art natürliche Weiterentwicklung ist. Auch weiß ich natürlich nicht, ob Sie ganz einfach so von Ignoranz zerfressen sind, dass Sie gar nicht in der Lage wären, etwas vernünftiges, gar vielleicht konstruktives zu einem Thema zu schreiben, von dem Sie ganz offenbar keine Ahnung haben.

Aber um auf Ihre Worte zurück zu kommen. Und die Sache mit der Bigotterie.
Die Überschrift ihrer Pressemitteilung lautet:

Keine Geschäfte mit Tötungstrainingssoftware

Ich sehe an dieser Stelle einmal von der haarsträubenden Dummheit dieser Forderung ab, da ich Kopfschmerzen bekomme, wenn ich versuche, die Logik darin zu entdecken. Vielmehr frage ich mich, wieso Sie denken, es ist eine gute Idee, in Ihrem Lebenslauf zu erwähnen, dass sie bereits an mehreren Wehrübungen teilgenommen haben? Also an einem groß aufgezogenen TÖTUNGSTRAINING? Mit echten Knarren und dem ganzen Kram. Sie wissen schon, so wie in Tötungstrainingssoftware nur ohne Software. Den Reserveoffizierslehrgang haben Sie sogar als “Lehrgangsbester” abgeschlossen.
Darf ich also davon ausgehen, dass Sie ziemlich genau wissen, wie man Menschen abknallt? Wenn ja, wie kann ich sicher sein, dass sie nicht irgendwann mal rumlaufen und genau das tun? Ich mein ja nur, so als Lehrgangsbester.

Lieber Herr Innenminister, lassen Sie mich mit den Worten schließen, dass ich Ihnen wünsche, dass Sie in Wirklichkeit nicht so dumm und bigott sind, wie man anhand ihrer Pressemitteilung annehmen muss.

Mit den freundlichen Grüßen eines Kriegsdienstverweigerers,

Schaedel

PS: Sie sollten auch nochmal das Gleichstellen von Videospielen mit Kinderpornos überdenken. Ernsthaft.

Zeitmalmer

Oktober 12th, 2008 by Don Rosa

Wir unterbrechen unsere steady diet of nothing hier auf Kantenflimmern für eine kleine Meinungsumfrage (oder: schlecht getarnte Lebensberatung).

Transport Tycoon Deluxe flog mir über Nacht zu. Immer mal wieder klicke ich mich durch abandonia, wenn ich meine zahlreichen To-Do-Listen mit irrsinnig wichtigen und dringenden Angelegenheiten wieder in die Schublade gesteckt und verdrängt habe. Dazu kommt, dass ich einen kleinen Knacks für Bauprojekte habe; die Lokalzeitung durchsuche ich immer zuerst nach neuen Bauvorhaben in der Region, die ich mir dann in Google Maps anschaue und ausmale.

Insofern also kein Wunder, dass mir TTD ins Auge fällt. Prima Spiel an sich, man hat seine Dörfchen und verschiedene, über die Karte verstreute Industrien, deren Personen- und Warenverkehr man untereinander verbindet. Wenn es sich anbietet, baut man Verladebahnhöfe, auf denen die Waren umgeladen werden oder weiterverschifft werden. Man kann Straße, Schiene, See und Luft zum Transport nutzen.

Bald wachsen die Dörfchen zu Städten heran. Die Schienen müssen ausgebaut werden, Ampelanlagen verschaltet und Passagierströme geplant. Die neu entstehenden Geschäftsviertel generieren unendliche Massen an zu transportierenden Menschen und Postsäcken. Die außerhalb gelegenen Flughäfen müssen von den stark frequentierten Haltestellen in der Innenstadt mit Shuttlebussen bedient werden.

Die Haupthaltestellen bekommen Helipads, die eine rasche Verbindung zu den Geschäftsvierteln benachbarter Großstädte herstellen. Die sich rasch ausbreitenden Wohnvorstädte brauchen neue Straßenbahnlinien (längst schon hat man das Internet nach Patches und Extensions durchpflügt). Dort, wo früher die kleinen Provinzbahnhöfe ausreichten, drängen sich acht Waggons lange Expresszüge aus vier Richtungen. Wenn man nicht will, dass sie Busse und Straßenbahnen niederwalzen, muss man die ungesicherten Übergänge durch aufwändige Unterführungen und Brücken ersetzen, deren Bau schon mal ganze Stadtviertel zum Opfer fallen müssen.

Dann wiederum muss man die Straßenbahnlinien neu planen, was heißt, dass die Passagierströme sich verlagern, was wiederum heißt, dass man das komplette Nahverkehrssystem neu erstellt, und dann kann man eigentlich gleich das ganze regionale Transportsystem umkrempeln und wenn man schon dabei ist, der große Industriehafen im Osten kann doch verlagert werden, da kann ein schönes Geschäftsviertel hin, und wäre so ein großer zentraler Verkehrspunkt nicht schick?, so mit interkontinentalem Flughafen oder doch zumindest einer üppigen Helistation mit Bahn- und Straßenbahnanbindung?, aber dann muss man doch auch noch die Region verlassen und Flughäfen ganz woanders bauen, die Flugzeuge müssen doch irgendwo hin, aber wenn man wo einen Flughafen baut, kann man den doch nicht in die Pampa stellen, der muss mindestens mit der Straßenbahn, besser noch mit dem Zug an die Innenstadt angebunden werden… oder? Oder?

Irgendwann macht Transport Tycoon keinen Spaß mehr. Es ist anfangs witzig, in einem kleinen Städtchen die Verkehrsflüsse zu planen, neue Straßen zu legen, die digitale Heimat (Stammsitz!) mit der Region zu verbinden. Aber spätestens, wenn die eigene Stadt mit allen in der Region liegenden Städten schon komplett verwachsen ist und man schlicht die Übersicht verliert und komplett überlastete Haltestellen nicht mehr mit neuen Linien bedenkt, sondern einfach die sie ansteuernden Trams und Busse willkürlich dupliziert, hat man keine Freude mehr an dem Spiel.

Es ist ein rein mechanisches, automatisiertes Abklicken von notwendigen Tätigkeiten, die mit zunehmender Dauer komplexer und anstrengender werden. Die Andienung des großen Verladehafens muss korrigiert werden, weil die Züge sich ständig gegenseitig blockieren und verfahren (was nicht halb so spaßig ist wie in The Darjeeling Limited). Neue Straßen müssen ständig gelegt werden, sonst macht das die Stadt eigenständig, und dort lässt sie keine Haltestellen mehr bauen (ja, macht keinen Sinn, ist aber so). Alle Fahrzeuge müssen ständig erneuert werden. Manuell. Hunderte von ihnen. Die Flugzeugflotte muss ständig erweitert werden, weil die Flughäfen tausende von Passagieren anziehen.

Das geht dann stundenlang, bisweilen bis zum early morning blues. Schon vor Stunden hat sich das Spiel verselbstständigt, man plant nicht mehr, sondern rennt nur noch aus einer bizarren Mischung aus Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein den vielen Neuerungen nach (ich spüre da eine clevere Metapher auf das Leben an sich, nur komm ich nicht drauf…). Ungefähr seit dann macht das Spiel auch keinen Spaß mehr. Man spielt es aber trotzdem, und genau das ist mein Problem und der Punkt, an dem ich Hilfe brauche.

Das ist natürlich kein Sonderfall. Seit es Spiele gibt, werden sie viel zu lange gespielt. Aber kein Spiel lässt mich nach Marathonsitzungen so unbefriedigt und wütend zurück wie Transport Tycoon. Ich investiere Stunden meiner freien Zeit in das Spiel, und es tritt mir in den Arsch. Man kann es einfach nicht gewinnen. Und trotzdem komme ich immer und immer wieder dazu zurück.

Respektive, kam: zum Zeitpunkt des Postings werde ich das Spiel rückstandsfrei gelöscht haben. Aber ich denke nicht, dass Löschen eine wirklich wirkungsvolle Maßnahme ist. Für jedes gelöschte Transport Tycoon Deluxe finde ich ein altes Civilization auf einer Diskette, für jedes von der Platte gefegte Civilization werde ich über eine CD mit Siedler 2 stolpern. Für jedes entnervt getilgte Siedler 2 stehe ich irgendwann mal wieder am Grabbeltisch eines Kaufhauses, weil ich meinen Zug verpasst habe und Zeit totschlagen muss, und sehe wieder einen dieser Titel für einen Taschengeldpreis…

Wenn ich wenigstens etwas von den Spielen hätte, dann ginge es voll in Ordnung. Aber da ist nichts, sie geben mir nichts, so lange ich sie auch spiele (warum auch immer ich sie spiele). Daher, verehrte Kantenflimmernnation (Kantennation? Flimmernation? Sucht euch aus, wie wir unsere quasiautoritäre Beziehung zu euch bezeichnen wollen…): was tun? Ich will Tipps und Strategien. Die Zeit, die ich auf TTD draufgebe, geht mir für verdammt viel wichtigere Dinge ab, oder aber auch nur für andere Spiele oder diesen Blog. Mein Problem ist nicht das Spielen an sich, sondern, dass es mir unter dem Strich keine Befriedigung und keinen Spaß bringt.

(Danach kehren wir Kanten wieder zurück zum digitalen Heilfasten durch Postingentzug, zu unserer sinnstiftenden Wohltat inmitten der Reizüberflutung. Als nächsten Programmpunkt haben wir eine virtuelle Adaption von John Cages 4’33’’ auf dem Plan, also – stay tuned!)

“Wir haben unser Kind ans Internet verloren!”

August 14th, 2008 by jetsetradio

Hat jemand gestern die ARD-Reportage zum Thema Spiele-Sucht gesehen? Wer vor lauter Monsterkloppen in WOW nicht dazu kam, hier eine kleine Zusammenfassung! 

In den 45 Minuten wurden drei reale Sucht-Fälle thematisiert. Teilweise kamen die Betroffenen selbst zu Wort, teilweise die Eltern. Der erste Fall berichtete von einem 23-jährigen Typen, der seine Studentenbude zum Zockertempel umkostümierte. Inklusive vergammelten Lebensmitteln und Insekten in den von mehrschichtigem Kaffesatz überquirrlenden Kaffeetassen. Der junge Mann hat sich komplett von seinen Eltern losgeeist und lebt mittlerweile abgeschieden von seiner Familie. In dieser Passage hab ich allerdings nicht sehr gut aufgepasst, also bitte ich um Korrektur! Auf jeden Fall kam der Student selbst nicht zu Wort, sondern nur seine besorgten Eltern, die mit Rollenspielssucht.de eine Plattform für Betroffene einrichteten.

Außerdem wurde die Geschichte von einem Jugendlichen erzählt, der, so glaube ich, 17 Jahre alt ist und anscheinend 6 Stunden täglich vorm Rechner sitzt. Auch wenns in dem Beitrag so rüberkam, als ob er jede freie Minute zum Zocken nutzen würde. Der junge Mann gibt wohl ein gutes Beispiel für die “heutige Jugend”. Man trifft sich nur mehr im Internet, ist unmotiviert in allen Belangen und findet sein wahres Heil nur im Charakter-leveln in WOW oder dem Headshots verteilen in Counter-Strike. Und ehrlich gesagt: der Junge ist wirklich kein positives Beispiel für heutige Videospieler und hat sich mit dem vielen Zocken wahrscheinlich schon einige Gehirnzellen zerdeppert. Ich will ihm keine Dummheit unterstellen, da er sich sogar recht okay artikulierte. Zumindest wenn’s um Themen ging, die ihn interessieren. Allerdings repräsentiert er auch wunderbar das oben skizzierte Bild. Er hat einfach die falsche Einstellung, so wie viele Jugendliche derzeit. Befremdlich fand ich, dass sein Vater nicht zu Wort kam. Kann sein, dass er vor lauter Arbeiten keine Zeit hatte oder kamerascheu ist, aber zumindest im Beitrag kam’s so rüber als ob die Mutter alleinerziehend wäre. Und da hätten wir dann schon einen Grund, warum das Kind einen derartigen Weg eingeschlagen hat. Vielleicht fehlte im irgendwas in der Erziehung. Zumindest endete der Beitrag recht versöhnlich, da man hier zu sehen bekam, dass der 17-Jährige eine neue Motivation in der Arbeit als Koch fand und stolz wie ein Hahn mit seinem zwei Meter hohem Kochhut durch die hauseigene Küche lief und die gesamte Family bewirtete. Und glaubt mir: dieser Beruf kann dich wirklich vor dem totalen Absturz bewahren!

Härtefall Nummer 3 zeigte einen Mid-30iger, der “Systemadministrator in einer mittelgroßen Firma” war, vollkommen SO aussah und rüberkam. Ein deutscher Bürger, der brav seine Steuern zahlt, immer nach einem Bier nach Hause geht (weil Mineralwasser eh besser schmeckt) und seiner Freundin im Haushalt hilft. Und auch HIER haben wir schon die Wurzel des Problems entdeckt. Er sprach es sogar selbst an. Er wollte ein (WOW-)Held sein, fühlte sich unschlagbar und erlebte richtige Abenteuer. Anders als in seinem miefigem Spießer-Leben, mit seinem trockenen Beruf und dem ewig gleichem Rhythmus. Man würde es dem Herren seine Spielesucht gar nicht zutrauen. Aber durch sein Problem verlor er jeglichen Kontakt zu seinen Freunden, ließ sich bei der Arbeit krank schreiben und verlor am Ende sogar noch seine Lebensgefährtin. Ein typischer Fall eines erwachsenen Spielsüchtigen, der nicht mehr von seinen Eltern unterstützt wird und mit seinem Leben alleine klar kommen muss. Den Vogel schoss er damit ab, dass er nach 72-Stunden-Dauerzocken die Beerdigung seiner Schwester (!) verschlief. Immerhin erkannte er sein großes Problem irgendwann selbst und ließ sich in eine psychiatrische Anstalt einweisen, wo er von nun an im Kreis mit Alkoholikern und Tablettensüchtigen seine Sitzungen abhielt. Zwar kam er vom Spielen am Ende nicht komplett weg, da auch seine Umschulung scheitertet und er deswegen dazu verdammt war in der Computerbranche zu bleiben. Doch zumindest blieb er bis dahin WOW-abstinent und wünschte den Herstellern die Pest an den Hals…

Letzterwähnter brachte auch den Punkte auf, der mich am meisten nachdenken ließ, als er sich für ein WOW-Verbot aussprach. Die Frage ist: wer ist Schuld an der Problematik? Sind es die (labilen) Konsument selbst oder sind es die Hersteller? Grundsätzlich muss man wohl festhalten: jeder bestimmt selbst wie viel er spielt und wie groß das Stück Leb(ens)kuchen ist das er dem Internet abgibt. Allerdings muss man auch sagen, dass derartige Härtefälle erst in den letzten Jahren auftraten, als die Online-Spiele immer erfolgreicher wurden. Ich bezweifle es wirklich, dass man von Super Mario Kart oder Final Fantasy 7 SO abhängig werden kann wie von WOW. Jeder spricht ja selbst davon, dass WOW ein Spiel ist das “nie zu Ende geht”. Wie das richtige Leben halt. Bis irgendwann ein zweiter Teil kommt. Und deswegen bin ich definitiv der Ansicht, dass es bestimmte Typen gibt die für sowas anfälliger sind. Man muss in irgendeiner Weise labil sein oder irgendein bestimmtes Verlangen haben. Meist wahrscheinlich das Verlangen nach einem Abenteuer. Statt mal was zu riskieren, den miefigen Job und die ebenso miefige Wohnung zu kündigen und einfach mal ein Jahr auszuwandern, ists natürlich einfacher den Rechner anzumachen und dort den großen Helden spielen der unbekannte Welten erforscht. Zumindest dürfte dies der Punkt sein, der den oben erwähnten Mid-30iger zu seiner Sucht brachte. Bei Jüngeren ists wohl eher der allgegenwärtige Trend der Zeit und das durchaus vorhandene Kommunikationsproblem der heutigen Jugend. Wobei man hier auch die Eltern in die Verantwortung ziehen muss.

Ich kann eigentlich nur aus meiner persönlichen Warte sprechen. Ich spiele sowieso nix auf meinem alten Rechner. Auf den Konsolen bin ich ebenso noch überall offline. Und das wohl auch bewusst. Ich weiß, dass solche Spiele Zeifresser sind. Denn mal ehrlich: bei WOW machts doch keinen Sinn, wenn man alle zwei Tage für ne Stunde reinschnuppert. Mich würde es persönlich aber auch nicht interessieren Tag und Nacht EIN und das selbe Spiel vor den Glotzern zu haben. Spielen ist für mich in erster Linie immer noch Unterhaltung für mich selbst. So wie sich andere abends vorm Einschalfen eine DVD reinziehen oder ein Buch lesen.

Von der Hersteller-Warte aus betrachtet, ist man natürlich in einem moralischen Dilemma. Man weiß genau, dass man Spiele herstellt, die mehr “ein Leben neben dem Leben” sind. Genauso weiß man aber auch, dass sich damit verdammt viel Kohle machen lässt. Deswegen gibts auch Leute die Heroin verticken. Nur steht die Videospielsucht derzeit so im Mittelpunkt wie kaum eine Sucht. Drogensucht spielt sich nicht in der Öffentlichkeit ab. Das ist bei Videospielen das genau Gegenteil. Das ist bedenklich. Oder hat schon mal jemand von einer Film- oder Musik-Sucht gehört?

Ich muss grad an eine Freundin denken, die immer meint: “man kann Menschen nicht verändern, nur seine Einstellung zu ihnen”. Das ist hier vielleicht nicht GANZ passend. Aber gewisserweise denke ich in Bezug auf diverse Süchte daran, dass es immer auf den Menschen selbst ankommt. Klar, vor Schicksalsschlägen ist keiner gefeit. Aber die Videospielsucht ist im Normalfall nicht darauf zurückzuführen. Ich glaube fest daran, dass man mit der richtigen Einstellung und den richtigen Werten den meisten (schlimmen) Süchten aus dem Weg gehen kann.

Bevor wir jetzt zu sehr abweichen, mache ich Schluss. Mir raucht jetzt der Kopf. Und ne Kippe brauch ich jetzt auch. Wo wir schon beim Thema sind…

Das verstehst du nicht, mein Junge!

Juli 22nd, 2008 by Schaedel

Is ja witzig: Ausnahmsweise beschweren sich nicht die Deutschen, sondern die Österreicher. Und zwar darüber, dass sie die demnächst per Xbox LIVE vertriebene und von Boris Schneider Johne “moderierte” Version von “Inside Xbox” nicht (oder noch nicht) zu Gesicht bekommen.

Bad luck my friend, bad luck.

Bad luck my friend, bad luck.

Das ist insofern witzig, weil ja üblicherweise eher nördlich der Alpen (zu recht) Beschwerden über ein bescheidenes und beschnittenes Angebot (Gears of War, Dead Rising) ins Internet gechrieben werden.
Nun soll aber keine Schadenfreude Inhalt dieses Beitrags sein, sondern ehrliche Verwunderung, gemischt mit Unverständnis. Verwunderung darüber, dass selbst Jahre nach Veröffentlichung aller momentan aktuellen Konsolen, es immer noch Standard ist, dass die Gleichung “verschiedene Länder = verschiedener Content” Gültigkeit hat. Unverständnis darüber, dass die Kundschaft Verständnis dafür haben soll.
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Vier Gründe, wieso Rock Band einfach scheiße sein MUSS!

Juni 16th, 2008 by Schaedel

Und weils so schön einfach ist, sogar in Videoform. Und zwar hier, bei XLEAGUE.TV.
Vier Gründe auf einer Bühne und ich kann mich nicht entscheiden, welche Gestalt ich entsetzlicher finde!

Besonders schlimm wirds ab etwa 2 Minuten 20!
Das ist in Sachen Peinlichkeit ungefähr auf “Mini Playback Show“- Niveau.

Ich kann nur jeden Tag diverse Stoßgebete gen Himmel schicken und hoffen, dass sich niemand in meiner näheren Umgebung “Rock Band” kauft und ich das am Ende sogar mal spielen muss. Von wegen Partyspielzwang, man kennt das ja: “Nu komm, einmal kannstes doch ausprobieren! Los, stell dich nich so an!”

Lass diesen Kelch an mir vorrüber gehen, Herr!

Gefunden bei UK:RESISTANCE

Neuer Tiefpunkt erreicht: This is Vegas

April 19th, 2008 by jetsetradio

Bescheuert rumtanzen, harmlose Hip-Hopper verprügeln und die Brüste kichernder Mädchen mit Wasser bespritzen - welcher Stubenhocker träumt nicht davon? Wer nicht selbst in eine Disse gehen will, der bekommt durch This is Vegas bald die Möglichkeit dazu. Schaut’s euch einfach mal an: This is Vegas Gameplay.

Aber mal ernsthaft: Gehts noch peinlicher?

This is Liberty City, not New York

April 14th, 2008 by jetsetradio

Wie geil ist das denn?

The ridiculously hyped fourth edition in the Grand Theft Auto series will apparently feature an all-punk/hardcore radio station to be hosted by one other than Jimmy Gestapo of Murphy’s Law fame. Along with some colourful commentary from Jimmy himself, the station promises plenty of punk and hardcore tracks.

Punknews.org

Ein HC/Punk-Sender bei GTA IV. Nur Jello Biafra oder Henry Rollins hätten bessere Moderatoren hergegeben.

Spielend etwas über den Holocaust lernen?

März 11th, 2008 by Schaedel

Der Brite Luc Bernard entwickelt gerade ein Spiel. Der Name des Spieles, welches für den DS geplant ist: “Imagination is the Only Escape“. Ein Spiel, bei dem man einen jüdischen Jungen aus Frankreich durch diverse Fantasiewelten steuert, in die er sich hineinträumt, um dem Wahnsinn der Besetzung seines Heimatlandes durch die Nazis zu entkommen - zumindest gedanklich.

IITOE_ds1.jpg
Allem nach, was man bislang über das Spiel erfahren kann, wird es sich dabei um einen Platformer handeln. Inwiefern die Vorkommnisse während des zweiten Weltkrieges im groben und der Holocaust im speziellen eine Spielrelevante Rolle einnehmen, lässt sich natürlich noch gar nicht absehen. Wenn das ganze ein stinknormaler Platformer wird, bei dem (siehe Screenshot) hin und wieder einige Fakten über die Verbrechen der Nazis eingeblendet werden, dann dürfte die ganze Aufregegung, die das Spiel in den Staaten bereits produziert hat, umsonst sein: Dort hat schon die New York Times wild spekuliert, dass dieses “game about nazis” nicht in Amerika erscheinen wird. Immerhin kann man für den DS ja eigentlich nur Spiele mit Mario, Spongebob und Hannah Montana kaufen im örtlichen Toys “R” Us .

Ich will mal ganz ehrlich sein: Ein weiterer Platformer für den DS interessiert mich nicht die Bohne. Mein Wissen über den zweiten Weltkrieg dürfte - zumindest im europäischen Vergleich - überdurchschnittlich groß sein, immerhin bin ich in Deutschland zur Schule gegangen. Also kurz gesagt, mein grundsätzliches Interesse an “Imagination is the Only Escape” hält sich in sehr überschaubaren Grenzen. Was mich aber wirklich interessiert ist, wie die deutsche Öffentlichkeit mit so einem Spiel umgehen wird. Es dürfte wohl nur zwei Möglichkeiten geben: Entweder breite Zustimmung, weil sich das Spiel als pädagogisch wertvoll herausstellt oder - und das scheint mir gar nicht so unwahrscheinlich - eine Empörungswelle schwappt durchs Land: “Nazis? Videospiele? Holocaust? Für eine Kinderkonsole? Darf man das überhaupt?”
Obwohl, wenn ichs mir so recht überlege, schätzungsweise kommt das Spiel hier gar nicht auf den Markt, weil sich rausstellen wird, dass das Spiel ein stinknormales Gehüpfe mit einigen Informationen über die Kriegszustände in Frankreich wird. Und dass das irgendwie überhaupt nicht ausreicht um eine Empörungswelle durchs Land schwappen zu lassen und das sich dann keiner dafür interessiert und so. So ne Empörungswelle muss sich ja schließlich lohnen. Und ein “Call of Duty”-Spieler dürfte wohl auch nicht gerade auf ein fantasievoll designtes (behaupte ich jetzt einfach mal so) Jump´n Run anspringen. Aber was weiß ich schon? Genau! Nix weiß ich, gar nix!

Weitere Screenshots bei Kotaku und was dumpfe Nazis in den US of A zu dem Spiel sagen hier.

Gefunden bei Digg (Wo sonst?)

The fruitless effort of adding Meaning to what is meaningless

Februar 26th, 2008 by Schaedel

Mal Hand aufs Herz: Könntet ihr aus dem Stand wiedergeben, wieso in Twilight Princess gleich nochmal so eine Pyramide über dem Schloss hängt? Oder wieso da alle naselang mirnichtsdirnichts so schwarze Monster aus einem Riesenanus im Himmel geschissen werden? Oder warum in Golden Sun eine Horde Kinder die Welt retten muss und nicht gestandene Helden? Und welche Rolle spielte nochmal dieser lächerliche Zwerg in Resident Evil 4? Ach ja, und wo wir gerade dabei sind: Warum landet man in Final Fantasy 7 nochmal in dem Wüstenknast? Ich habe die Hand aufs Herz gelegt und bekenne: Keine Ahnung!

Storyheader.gif

Videospiele brauchen Storys. Die Zeiten in denen man grundlos weiße Pixel von links nach rechts geschubst hat sind lange vorbei. Wir wollen wissen, wieso der Held mit seiner fetten Knarre durch monsterverseuchte Gebiete latscht und dabei sein virtuelles Leben aufs Spiel setzt.
Netterweise haben das die Spielentwickler auch gemerkt und basteln um ihre Spiele immer aufwändigere Geschichten, ja teilweise ganze Universen in denen sich dann die Geschichten abspielen.
Aber wie auch immer, das Medium Videospiele hat viele Haken, wenns um die Integration einer Story geht: Ein Spiel kann so schwer sein, dass man ewig an einer Stelle hängt und dann den Faden der Story verliert. Es kann auch sein, dass die Geschichte fürchterlich langweilig erzählt wird und man die Stellen einfach wegklickt (Paradebeispiel: Fire Emblem). Möglich ist es auch, dass einem ein Spiel so viele Möglichkeiten der Beschäftigung bietet, dass jegliche Story untergeht (Hallo Morrowind, hallo GTA).
Ich hätte da noch zwei knallharte Theorien auf Lager, wieso Storys in Videospielen ein schwieriges Thema sind.

Theorie 1: Videospielentwickler sind ein Haufen LSD missbrauchender Freaks!

Meteos01.jpgZum Beispiel Meteos. Dieses wirklich, wirklich fantastische Tetris auf Speed. Ehe man sich versieht, schubst man wieder stundenlang farbige Gebilde über den Bildschirm um gleichfarbige, die sich berühren “wegzuschießen”. Nicht nur mir wäre das wahrscheinlich Anreiz genug, dieses Spiel immer wieder in den DS zu stecken. Trotzdem hat sich Entwickler Q Entertainment eine Hintergrundgeschichte einfallen lassen: Ein wirklich böser Planet namens Meteos verschießt unglaubliche Massen verschiedener Meteos (Lustig geformte Dinger) in alle Himmelsrichtungen (gibts im Weltall eigentlich Himmelsrichtungen?). Diese Meteos zerstören dadurch lauter Planeten und deren Bewohner. Zufälligerweise haben dann einmal Bewohner eines Planeten beobachtet, dass drei Meteos der gleichen Sorte miteinander verschmolzen sind, kurz bevor sie auf ihrem Planeten aufgeprallt sind. Durch das verschmelzen hat sich dann wohl eine Art Raketenantrieb gebildet und die Meteos sind wieder Richtung Bösewichtplanet Meteo abgedüst. Die Bewohner (habe ich schon erwähnt, dass das allesamt abstrakte Strichmännchen sind?) haben sich dann gedacht, dass das wohl eine gute Möglichkeit wäre zurückzuschlagen. Viele Planeten haben sich dann zusammengeschlossen und aus irgendwelchen Meteos ein Raumschiff gebastelt, welches dem bösen Meteos die Stirn bietet und sich Planet für Planet in seine Richtung durchschlägt, um das ganze Universum zu retten.Yes, so und nicht anders läuft das im Universum…

Tetris: Blöcke fallen herunter, man muss sie sortieren. Aus.Noch eine ganze Ecke verwegener die Story zu Tetris Worlds: Da gibt es die geheimnisvollen Tetrions, die das Tor zu anderen Sternen sind und Minos, mechanische und sehr intelligente Wesen, die rausgefunden haben, wie man dieses Tetrions, ähm, also quasi benutzt und dass sie damit ihre Zivilisation irgendwie retten können, weil die Tetrions… also die fallen ja immer runter und die Minos wollen halt, ähm, ihren Planeten retten und weil Tetris (so glaube ich nennen die das, wenn man mit Tetrios Tore zu anderen Welten aufmacht) halt irgendwie süchtig macht, wollen die also quasi gesehen ihre Welt retten, weil man auf den Tetrios zu anderen Planeten reisen kann, also das müssen die, weil ihr Planet nämlich bald kaputt geht. Deshalb müssen die ihre verfickte Welt retten! Was auch immer!

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